Das war etwas wenig! Die australischen Singer/Songwriter Angus und Julia Stone machen in Dresden „hitzefrei“, spielen ein klanglich brillantes Konzert – aber bleiben trotzdem weit hinter ihren Möglichkeiten.
Konzerte dieser Folk-Weltstars sind eine Art kollektives Lagerfeuer. Rund 3.500 Freunde der ruhigen Töne wollten am Donnerstag jenes Geschwisterpaar hören, das schon den Soundtrack für viele verträumte Abende bei Wein und Kerzenschein lieferte. Nur drei Konzerte in Deutschland stehen auf der Liste der aktuellen Europa-Tournee, ohne Anlass oder Motto: Schlicht “Angus und Julia Stone” titelt das Konzert. Sollte reichen, oder? Zumal die Dresdner “Junge Garde” zum entspannten Sound der australischen Liedermacher einfach die perfekte Naturkulisse bietet.
Und was für ätherische Stimmen da durch die Parkanlagen schweben! Die beiden Timbres schichten sich frappierend schön übereinander, und während Angus eher für die erdigen Blues-Anteile steht, tupft Julia die verträumteren Nuancen über die Arrangements. Die Band indes muss sich anfangs noch etwas eingrooven: Geschenkt, dass das Banjo bei 35 Grad gelegentlich die falschen Akkorde zupft. Die Front-Routiniers reißen es raus! Beide Musiker stehen von Kindesbeinen an auf der Bühne, sind bisweilen auch solo unterwegs. Der Vater, ebenso ein Vollblut-Musiker, muckte viel auf Hochzeiten umher. Dass die Kinder neben ihren Gitarren auch Trompete und Mundharmonika auftragen, passt da super ins Bild. Ihr vielfach geremixter Hit “Big Jet Plane” ist eines der flotteren Lieder, zwischendurch setzt es gekonnte Fleetwood Mac-Zitate aus der Talkbox und ein wunderbares Sam-Smith-Cover. Keine Frage: Nach 20 Jahren Karriere wissen die Geschwister genau, was sie tun.

Und trotzdem: Irgendwas fehlt. Wenn man nicht jedes Lied auswendig mitsingen kann, döst man mangels Moderationen und Spannungsbogen verloren vor sich hin. Ebenso 🙂 könnte man sich von einer Folge “Traumschiff” einlullen lassen: Hier wie dort tragen die attraktiven Protagonisten edle Garderobe (Angus verzichtet auch bei tropischen Temperaturen nicht auf seinen Maßanzug!), die Inhalte verbleiben gefällig und seicht, die Dauer beträgt exakt 90 Minuten. Keine Minute länger lassen sich die Musiker bitten! Auf den Punkt, sagen die einen. Ganz schön dreist, sagen die anderen. Bei 70 Euro pro Karte und einem Back-Katalog von ganzen sechs Alben wäre hier wirklich mehr gegangen. “Santa Monica Dream” ist die einzige akustische Zugabe. Vor allem Gaming-Freaks warteten auf diesen Song aus “Life Is Strange”, zu dem die Musiker den atmosphärischen Soundtrack produzierten. Wie gut, dass Cassandra Coleman, Zweitplatzierte aus “American Idol”, den Abend als Support um ein paar Minuten streckte.


Hat sich die Band ein zeitiges Hitzefrei gewünscht? Waren die Weltstars von einigen leeren Rängen abgetörnt? Forderten die Bühnentechniker ihren Feierabend vor 22 Uhr wegen des deutschen WM-Gruppenspiels? Auf dieser Bühne wird abgesehen von Plattitüden á la “Great to be back in Germany!” nichts erklärt. Und während andere Acts Humor oder persönliche Anekdoten zum Besten geben, wird auch auf Storytelling oder Dramaturgie weitestgehend verzichtet. Sicher: Es mag eine Tugend sein, wenn ein Konzert einfach ein Konzert sein darf, wenn keine ewigen Monologe, LED-Wände oder Seifenblasenstürme die Musik verkleistern. Und doch hätten filmische Visuals oder die eine oder andere Erzählung den Liedern mehr Kontext, mehr Tiefe oder gar eine Meta-Ebene geschenkt. Um einen unvergesslichen Abend zu gestalten, braucht es eben ein paar mehr Ideen, als einfach nur schöne Lieder zu spielen.
Text und Fotos: Sebastian Steger. Dieser Beitrag erschien am 27.06.2026 in der Freien Presse.
